Spirituelles

„Die gerade Linie ist gottlos und unmoralisch. Die gerade Linie ist das Ergebnis einer totalen Bequemlichkeit und eines Mangels an Leben.“
Die 4C auf den Spuren von Friedensreich Hundertwasser

Am Dienstag, dem 26. Mai, verbrachte die 4C ihren Besinnungstag in Bärnbach. Dazu ging es in der Früh mit dem Zug in die Weststeiermark. Auf dem Weg dorthin wanderte die Klasse, bei knapp 30 Grad, über den Heiligen Berg, der mit seiner Kirche, Karmel, Kapelle und Kreuzwegstationen seit Jahrhunderten ein bedeutender Wallfahrtsort der Weststeiermark ist.

Der Heilige Berg war bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. Funde aus der Urnenfelderzeit, Hallstattzeit und Römerzeit – schon damals wurde er als mons sacer bezeichnet – lassen darauf schließen. Heute beherbergt das Gipfelplateau zudem ein besonderes spirituelles Zentrum: das 1975 auf Initiative des Bärnbacher Pfarrers Friedrich Zeck und Bischof Johann Weber errichtete Karmel Heilig Kreuz. Dieses Kloster der Karmelitinnen wurde 1976 geweiht und verbindet seither die tiefe historische Tradition des Ortes mit lebendiger Spiritualität. Danach besuchte die Klasse die außergewöhnliche St.-Barbara-Kirche, die 1987/88 vom österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser neu gestaltet wurde. Mit ihren bunten Farben, den goldenen Kugeln, den geschwungenen Formen und den zwölf Toren, die für die großen (Welt)religionen stehen, gilt die Kirche als ein besonderes Zeichen für Toleranz und Offenheit.

Wie Bärnbach zur Hundertwasserkirche kam

Inspiriert von einer Ausstellung 1981, wollte der Bärnbacher Pfarrer Friedrich Zeck Friedensreich Hundertwasser für die Neugestaltung seiner Pfarrkirche gewinnen. Durch die Vermittlung des Briefmarkenstechers Wolfgang Seidel kam es im August 1984 zum Treffen vor Ort. Hundertwasser willigte begeistert ein und verzichtete komplett auf ein Honorar – unter der einzigen Bedingung, völlig freie Hand bei der Gestaltung zu haben. Die Pfarre übernahm lediglich die Material- und Arbeitskosten.

„Alles, was waagerecht unter freiem Himmel ist, wo Regen und Schnee hinfallen, das gehört der Natur. Spontanvegetation muß in unseren Städten wachsen. Wir sind nur Gast der Natur und müssen uns dementsprechend verhalten.“ (Friedensreich Hundertwasser)

Bei einer interessanten Führung erfuhren die Schülerinnen und Schüler viel über Hundertwassers Idee, Architektur natürlicher, farbenfroher und menschenfreundlicher zu gestalten. Die gerade Linie lehnte Hunderwasser kategorisch ab. Für Hundertwasser war die gerade Linie etwas Zwanghaftes, das in der Natur nicht existiert. Er sah sie als Werkzeug, um Mensch und Natur zu unterdrücken, und forderte stattdessen eine organische, unregelmäßige und „dunkelbunte“ Bauweise.

Außerdem durfte die 4C in der Kirche gemeinsam singen und die besondere Atmosphäre erleben. Anschließend ließ die Klasse den gelungenen Vormittag bei einem gemeinsamen Mittagessen im Pfarrheim gemütlich ausklingen bevor es mit dem Zug zurück nach Graz ging.